Die Jung Papier GmbH aus Düsseldorf steckt erneut in finanziellen Schwierigkeiten. Der Familienbetrieb, der unter anderem Toilettenpapier, Küchenrollen und Feuchttücher produziert, hat beim Amtsgericht Düsseldorf ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung beantragt. Das Gericht stimmte dem Antrag bereits zu.
Für das Unternehmen ist es nicht die erste Krise: Die Jung Papier GmbH entstand 2023 aus Teilen der früheren Hakle GmbH, die zuvor Insolvenz anmelden musste. Am Düsseldorfer Standort wird bereits seit 1905 Papier hergestellt. Nun steht die Zukunft der mehr als 120 Jahre alten Fabrik erneut auf dem Spiel.
Betrieb läuft zunächst weiter
Geschäftsführer Volker Jung betonte, dass die Produktion vorerst uneingeschränkt fortgeführt werde. Die Eigenverwaltung soll dem Unternehmen Zeit verschaffen, den laufenden Betrieb zu stabilisieren und gleichzeitig nach Investoren zu suchen.
„Die Eigenverwaltung gibt uns die Möglichkeit, den Geschäftsbetrieb zu stabilisieren und die Gespräche mit Investoren gezielt fortzuführen“, erklärte Jung. Er leitet das Unternehmen seit 2019 und gründete die Jung Papier GmbH nach der Insolvenz von Hakle neu.
Zum vorläufigen Sachwalter wurde Rechtsanwalt Dr. Christian Holzmann von der Kanzlei Brinkmann & Partner bestellt. Dr. Marc Oberhardt von RSM Ebner Stolz unterstützt das Unternehmen bei der weiteren Sanierung. Holzmann erklärte, zunächst müsse geprüft werden, welche Möglichkeiten für die Zukunft bestünden. Bei einer Sitzung des Gläubigerausschusses sollen die nächsten Schritte festgelegt werden.
Produktion für Marken und Handelsketten
Jung Papier stellt neben Toilettenpapier auch Küchenrollen, Kosmetiktücher und feuchte Hygienepapiere her. Die Produkte werden in verschiedenen europäischen Ländern verkauft. Zum Sortiment gehören unter anderem die Marken Clara, Lilla, Rosa und Camilla. Außerdem produziert das Unternehmen Artikel für Supermärkte und Drogerien unter deren eigenen Handelsmarken.
Im Geschäftsjahr 2025 erzielte der Hersteller nach vorläufigen Angaben einen Umsatz von etwa 70 Millionen Euro. Damit blieb das Unternehmen allerdings rund 30 Millionen Euro hinter seiner ursprünglichen Planung zurück.
Hohe Kosten und schwierige Marktlage
Als Gründe für die erneute Insolvenz gelten vor allem gestiegene Preise für Energie, Rohstoffe und Personal. Gleichzeitig herrscht auf dem europäischen Hygienepapiermarkt ein hoher Wettbewerbsdruck. Überkapazitäten und sinkende Margen erschweren es den Herstellern, profitabel zu arbeiten.
Auch die neue Marke „The Papermakers“, die Jung Papier nach der Übernahme von Teilen des früheren Hakle-Betriebs aufgebaut hatte, konnte offenbar nicht genügend Umsatz und Marktanteile erzielen, um die finanzielle Lage nachhaltig zu verbessern.
Die Marke Hakle gehört inzwischen dem italienischen Hersteller Sofidel. Nach der ersten Insolvenz hatte Sofidel die Markenrechte übernommen. Jung Papier produzierte Hakle-Produkte in Düsseldorf noch bis 2024, bevor Sofidel die Herstellung vollständig selbst übernahm.
Zukunft der Beschäftigten offen
Von der Insolvenz sind rund 155 Mitarbeiter betroffen. Ihre Löhne und Gehälter sollen nach Angaben des Sachwalters bis einschließlich Januar 2027 über das Insolvenzgeld abgesichert sein.
Parallel läuft die Suche nach einem Investor. Ziel ist es, den Standort, möglichst viele Arbeitsplätze und die Geschäftsbeziehungen zu den Kunden langfristig zu sichern. Ob die Traditionsfabrik erhalten bleibt, ist derzeit jedoch noch offen.
